Warum der Unterschied riesig ist und davon die Möglichkeit der Digitalisierung abhängt

Hier kannst Du selbst noch mal die Definitionen im Duden nachlesen:
kompliziert
und
komplex

Link zum Buch

———– Der Podcast als Transkript ———–

Episode 12 – Chancendenken – Komplex oder kompliziert – 10.03.20, 14.36.mp3

[00:00:00] Heute geht es um den Unterschied zwischen kompliziert und komplex.

[00:00:30] Herzlich willkommen im Podcast Chancendenken, wie wir die Zukunft leben wollen. Das ist Episode 12, der Unterschied zwischen komplex und kompliziert. Warum das wichtig ist? Ich glaube, dass das bestimmt, wie die Digitalisierung zu gestalten ist. Aber dazu gleich mehr. Ich bin ein Andera Gadeib, Autorin, Digitalunternehmerin und Onlineenthusiastin. Meine Passion ist es, die Zukunft zu gestalten, digital und analog, immer für den Menschen. Wenn du auch Spaß daran hast und wissen willst, wie du das anpacken kannst, dann hör hier rein. Danke, dass du dir die Zeit nimmst. Los geht’s.

[00:01:11] Heute spreche ich über kompliziert und komplex. Warum? Weil ich immer wieder feststelle, dass das total oft verwechselt wird. Und bei der Recherche für den Podcast hier ist mir aufgefallen, dass selbst der Duden sich da nicht so ganz sicher ist. Das ist mir tatsächlich noch nicht passiert. Aber gut, vielleicht habe ich mich auch noch nicht ausführlich genug mit der deutschen Sprache beschäftigt.

[00:01:35] Worum geht’s? Ich möchte einmal erklären, was kompliziert heißt, was komplex heißt, und dann erklär ich dir, warum ich meine, dass wir das im täglichen Tun immer überlegen sollten: Ob es sich um etwas Komplexes oder Kompliziertes handelt. Weil nur Kompliziertes, lässt sich digitalisieren.

[00:02:00] Aber erstmal der Unterschied. Alles Komplizierte folgt einem festen Regelwerk. Ein Schweizer Uhrwerk beispielsweise ist kompliziert und auch absolut faszinierend in der Art, wie es tickt, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wenn man sich das genauer anschaut, dann besteht es aus ganz vielen Zahnrädern, die ineinandergreifen. Und solange die Uhr nicht kaputt ist, funktionieren die auf immer gleiche Art und Weise. Sie bewegen die Zeiger der Uhr auf immer gleiche Art und Weise. Und genauso verhält es sich auch mit der Steuererklärung. Auch wenn sie einem komplex vorkommen mag und erst mal eine Riesenaufgabe ist, die vor einem liegt. Die ist nur kompliziert, weil sie besteht aus ganz vielen Regeln, die zu beachten sind. Und das ist erst mal „nur“ kompliziert. Ich habe dann gedacht: Selbst der beste Finanzbeamte mag da manchmal den überblick verlieren. Und wenn du meinen Podcast regelmäßig hörst, dann hast du auch die Folge zum digitalen Finanzamt gehört. Wenn nicht, dann schau einfach mal zwei Folgen zurück und höre dir die Folge dazu an. Da erzähle ich von einem Dialog, wo tatsächlich ein Finanzbeamter mir sagt, das sei alles zu komplex. Glaube ich nicht.

[00:03:21] Ich habe tatsächlich im Duden nachgeschaut, und der Duden hält es auch nicht so richtig auseinander. Der Duden sagt zu kompliziert, es sei schwierig, verwickelt, schwer zu durchschauen oder zu handhaben, aus vielen Einzelheiten bestehend. Na gut „aus vielen Einzelheiten bestehend“ würde ich zustimmen, wenn man sich das Schweizer Uhrwerk vorstellt. Aber verwickelt klingt für mich so ein bisschen undurchschaubar und unklar. Und etwas Kompliziertes ist eben nicht unklar. Es ist vielleicht nur schwer und unübersichtlich, aber es folgt einem festen Regelwerk. Betrachten wir das Komplexe, würde ich sagen komplex ist immer etwas, was unvorhersehbar ist oder schwer beherrschbar. Komplex ist etwas, wenn es viele Einflussfaktoren gibt, die gleichzeitig wirken. Und als ich mein Buch geschrieben habe – das heißt ja „Die Zukunft ist menschlich“ – habe ich da länger drüber nachgedacht und habe festgestellt, es wird auch oft komplex, wenn der Mensch ins Spiel kommt. So eine ganz sympathische Unberechenbarkeit, finde ich von uns, und auch ein Unterschied zur Maschine. Was einem im Täglichen vielleicht manchmal wenn es komplex wird, durch viele Menschen, schwer vorkommt oder auch nervt, das ist ein ganz positiver Aspekt. Denn es gibt viele Punkte, die können eben nur wir Menschen gut.

[00:04:44] Ich glaube, wir sollten uns dessen bewusst sein, was den Menschen ausmacht und was er auch langfristig gestalten sollte. Vor allem in der Arbeitswelt und was wir besser den Maschinen überlassen. Und ihr ahnt es schon: Alles komplizierte eignet sich besonders für die Digitalisierung.

[00:05:02] Aber vielleicht erst noch den kleinen Ausflug in den Duden. Ich habe eben gesagt, was der Duden zu kompliziert sagt. Bei komplex hat er mehr zu bieten. Da kommen Worte wie vielschichtig, viele verschiedene Dinge umfassend, in der Erklärung. Es ist etwas Zusammengesetztes, Ineinandergreifendes und nicht auflösbar. Vielleicht ist der letzte Punkt, finde ich zumindest, am treffendsten. Denn auch hier, wenn man sich ein Regelwerk anschaut, oder ein Schweizer Uhrwerk, dann ist das auflösbar. Das kann ich auseinandernehmen und wenn ich Ahnung hab von dem Metier, also Schweizer Uhrmacher bin, dann kann ich es auch wieder zusammensetzen. Das ist auflösbar. Etwas Komplexes ist nicht so einfach auflösbar. Synonyme, sagt der Duden, ist auch beispielsweise verflochten, beziehungsreich, heterogen (bildsprachlich) finde ich auch ganz spannend, oder multidimensional. Also komplex ist eine ganz andere Welt. Ich würde einfach sagen, sie ist nicht beherrschbar. Sie bringt immer etwas Unvorhergesehenes mit. Und wenn wir uns jetzt mit der Digitalisierung beschäftigen, dann macht dieser Unterschied tatsächlich etwas aus. Das zu verstehen, etwas Kompliziertes von etwas Komplexen unterscheiden zu können, ist eine ganz große Qualität. Weil das Komplizierte lässt sich digitalisieren – also Regelwerk, Steuererklärung als Beispiel – etwas Komplexes nicht. Ein komplexer Prozess wird durch die Maschine nie abbildbar sein, es sei denn, ich kann es wieder zerlegen in viele kleine Einzelprozesse und -schritte. Dann wäre es aber auch nur kompliziert.

[00:06:42] Das ist der Grund, warum Maschinen das Komplizierte, aber nicht das Komplexe übernehmen können. Das Komplizierte, das kann die Maschine. Du gestaltest dann einen Algorithmus Der ist beschrieben als eine Verfahrensanweisung in definierten Schritten, um ein Problem zu lösen. Und auch da würde ich sagen: Die Maschine löst nie das Problem allein, sondern sie lernt die Schritte. Also die bringst du als Programmierer ihr bei, und diese Schritte sind fest definiert. Und damit lässt sich ein definiertes Problem lösen. Zu der Frage, wie eine Maschine ein Problem erkennen kann oder nicht, komme ich vielleicht ein anderes Mal. Das würde hier zu weit führen. Aber das Spannende ist ja, dass die Frage, was Algorithmen lösen können regelmäßig überschätzt wird. Nämlich auch bei der Frage, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Arbeitsplätze hat. Ja, es werden Arbeitsplätze wegfallen. Vor allem die, wo immer wieder die gleiche Aufgabe routinemäßig in immer der gleichen Art und Weise umgesetzt wird. Da kann die Maschine, also der Computer und seine Algorithmen übernehmen. Beispiele sind das Finanzamt. Das, was ich eben beschrieben habe, die Steuererklärung oder vielleicht auch Antworten auf Fragen zu diesem Regelwerk. Da bin ich fest von überzeugt, da werden wir noch mehr Digitalisierung sehen, und das ist auch gut so.

[00:08:03] Ein anderes Beispiel: Da vielleicht eine kleine Anekdote zu einer Podiumsdiskussion, die ich vor ein paar Tagen hatte, ist die Telefonistin, die Anrufe annimmt. Ich saß mit einem Gewerkschafter gemeinsam auf der Bühne. Das ist erst mal ganz spannend. Ich als Unternehmerin und der Gewerkschafter. Wir hatten zu vielem die gleiche Meinung. An einer Stelle stimmten wir aber gar nicht überein. Und zwar war die Frage: Was ist denn eigentlich mit dem „Fräulein vom Amt“? Jetzt im wahrsten Sinne des Wortes. Bei uns in Aachen ist es eine zentrale Nummer. Ich glaube, dass es in vielen Ortschaften inzwischen so: Da rufst du an, und während sie früher wirklich wie die ganz frühen Telefonistinnen mehr oder weniger nur verbunden haben zu einer weiteren Nummer, wo dann der Experte saß, können die heute schon ein paar Auskünfte geben. Ich habe dann die Frage gestellt: Ja, was sind das denn für Auskünfte? Ist das so ein Bildschirmrückseitenberater wie Gunter Dueck nennt? Ihr kennt das vielleicht, wenn man bei der Bank saß oder sitzt – das ist wahrscheinlich heute immer noch so, ich habe da lang nicht gesessen – und du hast eine Frage. Du willst ein bestimmtes Angebot zu einem Produkt haben, dann guckst du auf die Bildschirmrückseite und der Berater auf der anderen Seite des Tisches guckt auf den Bildschirm, tippt ein paar Dinge ein, stellt dir Fragen und druckt dir dann hinterher so eine Seite aus, ein Angebot oder einen Vertrag, was du unterschreiben sollst. Das sind Beispiele: da, wo heute noch ein Bildschirm ist und du auf die Rückseite guckst, diese Beraterjobs auf der anderen Seite des Tisches werden wegfallen. Weil die Formulare kannst du wahrscheinlich demnächst selber ausfüllen. Die Frage ist: Wie ist das bei der „Frau vom Amt“, da wo du anrufst, die zentrale Nummer. Ist die Frage, die dir dort beantwortet wird, eine, die du selbst recherchieren kannst? Also beispielsweise wie du eine andere Größe der Mülltonne bestellen kannst oder eine Hundesteuermarke anmeldest oder ähnliches. Oder sind das echte Experten, die ein Wissen haben, was nur dort sitzt. Der Gewerkschaft hat argumentiert, die verdienen zu wenig. Das glaube ich auch, dass das Jobs sind, die besser bezahlt sein sollten. Ohne genaue Kenntnis darüber zu haben. Aber ich gehe mal davon aus, der Gewerkschafter ist da voll drin und das hat schon alles seine Berechtigung. Aber die Frage ist ja: Wenn er da jetzt höhere Löhne durchsetzt, ist das schön. Aber wird es diesen Job denn noch geben? Ist es dann für drei Jahre gut oder für fünf Jahre? Aber in zehn Jahren brauchen wir diesen Job nicht mehr? Ich glaube, darüber sollten wir uns unterhalten. Also die Frage: Wie sehr ist ein Job dadurch bestimmt, dass er nur eine Abfrage auf ein besseres Telefonbuch, ein digitales Telefonbuch stellt. Das ist nur kompliziert, weil es viel ist, man vielleicht die richtigen Stichworte eingeben muss. Aber auch da gibt es schon heute gute Ansätze, wie man ähnliche Worte beispielsweise erkennt. Wenn das der Fall ist, dann ist es nur kompliziert und ist leicht durch eine Maschine zu ersetzen. Komplex wäre es in dem Moment, wo dort wirklich implizites Wissen ist. Mehr Informationen, die man nicht einfach abspeichern kann in einer festen Regel, sondern die irgendwo vielleicht Inhalte verknüpft, die nur bei einer Person liegen können. Ein großes Thema im Wissensmanagement ist beispielsweise, wie man so etwas dokumentieren kann. Das ist nicht besonders einfach. Aber auch das wird gelöst werden. Dass eben solches Wissen, auch wenn es mehr ist, umfangreicher, niedergeschrieben wird, digital abgelegt und dann durchsuchbar. Und dann ist das nur kompliziert.

[00:11:27] Ich glaube, das zu verstehen ist tatsächlich ein Riesenunterschied. Mein Gefühl ist, dass oftmals der Mensch, dem im Weg steht, also der Digitalisierung im Weg steht. Weil er es nicht so richtig wahrhaben möchte. Kann ich auch total verstehen. Ich glaube, es ist nur eine Frage der Zeit. Besser wäre, wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen und überlegen: Welche Prozesse lassen sich sinnvoll digitalisieren? Und uns auf der anderen Seite aber auch bewusst machen: Was davon ist komplex? Und das ist zutiefst menschlich oftmals. Ich glaube, das ist ein positiver Blick auf die Digitalisierung, da die richtige Auswahl zu treffen. Im Gegensatz dazu sehen wir unglaublich oft Technologien nur um der Technologie willen. Die macht natürlich auch keinen glücklich. Auch darüber werde ich noch sprechen. Und es ist unglaublich schwer, dass nicht alles rational zu beurteilen, weil emotional Befürchtungen dahinterstecken, dass vielleicht eigene Aufgaben oder gar der ganze Job wegfallen könnte.

[00:12:26] Ganz spannend ist, wie sich Prozesse verhalten. Was digitalisierbar ist. Mir ist bei der Überlegungung dieses Unterschieds auch noch einmal das Beispiel in den Kopf gekommen der Mobilität, dem autonomen Fahren. Werden die Autos autonom fahren? Heute sind sie schon teilautonom. Ich sammle damit täglich Erfahrungen, mit einem teilautonomen Auto. Und das ist so irritiert durch einen leicht falschparkendes Auto am Straßenrand. So dass ich glaube, für die vollkommene Autonomie reicht es derzeit nicht. Und es ist auch ein großer Aufwand. Da werden wir sicher damit beschäftigen müssen, auf welchen Strecken oder ähnliches. Aber dazu komme ich sicher auch nochmal einer anderen Folge ausführlicher oder auch beispielsweise beim Roboter, der Chirurg ist. Da habe ich gestern Abend noch ein interessantes Gespräch geführt. Ich glaube, eine solche Operation am Menschen ist etwas Komplexes, weil Unvorhergesehenes eintreten kann. Und damit ist es erst mal nichts für den Roboter. Der kann aber vielleicht unterstützen. Auch wenn das nicht so mein Thema ist, werde ich auch darauf noch einmal eingehen in der Zukunft. Und das Thema werden wir sicher immer wieder nochmal aufgreifen.

[00:13:30] Für heute will ich es aber dabei belassen und dich aufrufen, bei allem, was du im Realen und im Digitalen wahrnimmst, zu überlegen: Ist es kompliziert oder ist es komplex? Und vielleicht kannst du auch etwas dazu beitragen, eine sinnvolle Digitalisierung voranzutreiben? Das würde mich riesig freuen. Ich freue mich auch, davon zu hören, ob dir das gelungen ist oder wo es da noch offene Fragen gibt. Ich danke dir erstmal, dass du dir die Zeit genommen hast, und freue mich, wenn du auch nächste Woche wieder dabei bist. Wenn dich das Thema interessiert, lies gerne auch mein Buch „Die Zukunft des menschlich“ gibt’s beim Buchhändler deines Vertrauens. Und ich freue mich über deine Bewertung oder auch, wenn du Freunden vom Podcast erzählst. Vielen Dank und bis bald.

 

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